Sterben findet mitten im Leben statt?

Ja.

Als mein Vater schon an der Schwelle des Todes stand, habe ich nicht begriffen, dass er nicht mehr lange bei uns sein würde. Ich hätte nie gedacht, dass es „so schnell“ gehen würde. Sein Sterbeprozess dauerte etwa ein Dreivierteljahr.
Der meiner Mutter war viel kürzer. Innerhalb von sechs Wochen, in denen sie von der Intensivstation auf eine Aufwachstation und von dort in eine Reha verlegt wurde, verschlechterte sich ihr Zustand rapide. Am Ende lag sie, seit geraumer Zeit ohne Bewusstsein, einen Tag auf der Palliativstation der Robert-Janker-Klinik in Bonn.
Ihr letzter Tag war ihr bester Tag auf dieser Krankenhaus-Odyssee, wage ich zu sagen – dank des Einfühlungsvermögens und der Kompetenz der dortigen Oberärztin und der Pflegekräfte.
Wofür ich meiner Mutter sehr dankbar bin: Ich durfte an diesem Tag bis zu ihrem letzten Augenblick in der Nacht bei ihr sein. Es war ein heiliger Moment.
Für mich schloss sich so ein Kreis: Sie hat meinen ersten Atemzug erlebt und ich ihren letzten.
Danke, Mama!

Mit Trauernden im Gespräch

Die Sterbeprozesse meiner Eltern und ein weiterer Sterbefall in der Familie haben mich tief berührt. Während ich mit der Trauerbewältigung beschäftigt war, konnte ich am Gesprächskreis „Lebensspuren – Treffpunkt für Trauernde“ bei St. Albert in Freiburg (eine Initiative der Seelsorgeeinheit Freiburg-Nordwest und der Matthäusgemeinde), teilnehmen. Die Gespräche mit anderen Trauernden und dem Leitungsteam haben mich mitgetragen und mir vermittelt, dass ich in dieser Phase nicht alleine bin. Das hat einfach gutgetan.

Hospizverein Freiburg

Schon als mein Vater 2016 gegangen war, spürte ich in mir den Wunsch, auch andere Menschen in der letzten Zeit ihres Lebens zu begleiten. Nach zwei weiteren Todesfällen in der Familie wurde dieser Wunsch konkret. Ich nahm Kontakt mit der Hospizgruppe Freiburg auf und konnte ab dem Frühjahr 2019 an der Qualifizierung zur Sterbebegleitung teilnehmen. Die Kurseinheiten waren sehr vielfältig und persönlich bereichernd, ebenso der Gruppenprozess.
Bisher habe ich noch nicht viele Erfahrungen im Hospizdienst machen können, aber sie waren sehr eindrücklich und berührend für mich.

Welche Farbe hat der Tod?

Während der Qualifizierung zur Sterbebegleitung bekam ich den Auftrag, das Manuskript „Der Tod ist grün“ zu korrigieren. Der Autor, Herr Alfred Opiolka, ist Inhaber der Galerie Sargladen in Lindau am Bodensee. Nach Beendigung meines Auftrags besuchte ich Herrn Opiolka in seiner Galerie, weil mich seine Ausführungen neugierig gemacht hatten. Mir haben die ästhetisch ausgeführten Särge, Urnen und Kreuze – Kunstwerke! – sehr gefallen. Das Probeliegen in einem Schrein werde ich nachholen, wenn ich das nächste Mal dort bin!